„Gehen nur noch selten aufs Dach“

April 6, 2026

Handwerker und Glückssymbol in einem: Oskar Elsäßer (16) absolviert seine Lehre zum Rauchfangkehrer bei Richard Bilgeri in Hohenems.

Wie sah der Weg zu deiner Lehre als Rauchfangkehrer aus?

Oskar: Nach dem Besuch des Privatgymnasium Mehrerau habe ich es an der HTL versucht, aber festgestellt, dass die Themen wie Metall und Elektrotechnik einfach nicht meins sind. Meine Mutter hat mich dann auf den Beruf des Rauchfangkehrers aufmerksam gemacht und da ich als Kind schon gerne „am hüsla“ war, hab‘ ich mir den Beruf genauer angesehen.

 

Wie kam es zu deiner Ausbildung bei Richard Bilgeri?

Oskar: Ich habe online über den Beruf recherchiert und nach Rauchfangkehrern in meiner Umgebung gesucht. Da in Bregenz aktuell keine Lehrlinge ausgebildet werden, hat man mir Richard Bilgeri empfohlen. Ich habe mich zum Schnuppern gemeldet und letzten September konnte ich meine Lehre starten.

 

Also muss es dir beim Schnuppen gut gefallen haben.

Oskar: Ja, das war sehr cool. Man kann noch so viel über den Beruf recherchieren – erst, als ich das Team beim Einsatz begleiten und sogar beim Kaminputzen helfen konnte, erfährt man mehr über die Tätigkeiten eines Rauchfangkehrers.

 

Oskar mit seinem Chef und Innungsmeister Richard Bilgeri.

 

 

Was sind aktuell deine Aufgaben in der Lehre?

Oskar: Wir starten um 7 Uhr morgens und ich begleite einen Gesellen bei den Hausbesuchen. Diese sind entweder bereits vereinbart oder wir gehen von Tür zu Tür. Dann werden Öfen und Heizungen kontrolliert, Kamine und Rauchfänge gekehrt und gereinigt. Dann messen wir die Schadstoffwerte und geben Tipps zu Brandschutz und richtigem Heizen. Schwedenöfen oder Holzöfen kann ich mittlerweile schon selbstständig reinigen. Manchmal muss man auch aufs Dach gehen, aber das kommt nur noch selten vor.

 

Und was davon gefällt dir am besten?

Oskar: Durch die verschiedenen Aufgaben und die Kundenbesuche ist der Beruf enorm abwechslungsreich und vielseitig. Man kommt in viele Häuser, lernt neue Leute kennen. Manche haben wirklich viel zu erzählen und freuen sich, wenn wir da sind.

 

Rauchfangkehrer:innen gelten seit jeher als Symbol für Glück und Sicherheit. Was hältst du davon?

Oskar: Klar, wir werden immer wieder darauf angesprochen und es ist eine schöne Symbolik. Ich selbst habe keinen Glücksbringer, vielleicht reicht es ja, dass ich selbst einer bin.

 

Wenn sich jemand für deinen Beruf interessiert: Welche Eigenschaften sollten Rauchfangkehrer:innen haben?

Oskar: Man sollte kein Problem damit haben, schmutzig zu werden – das passiert zwangsläufig und gehört dazu. Höhenangst wäre auch hinderlich. Offen sein für Neues schadet bestimmt nicht, die meisten Aufgaben, Geräte und Werkzeuge kann man auf jeden Fall gut lernen.

 

Und welchen Tipp hast du für alle Lehrstellensuchenden?

Oskar: Geht auf Lehrlingsmessen, recherchiert online und geht schnuppern. Nur so lernt ihr einen Beruf wirklich kennen. Das Gehalt ist zwar nicht unwichtig, aber vor allem muss die Arbeit Spaß machen.