„Wollte mich technisch weiterbilden“

März 2, 2026

Die Duale Akademie als Praxis-Alternative zum Studium: Kerstin Bertsch (28) über ihre verkürzte Ausbildung zur Mechatronikerin bei Zumtobel.

Die Duale Akademie (DA) ist ein junges Ausbildungsmodell nach der Matura. Wie kam es zu deiner Anstellung bei Zumtobel?

Kerstin: Nach meiner HAK‑Matura habe ich als Praktikantin begonnen und später für ein paar Jahre als Quality Engineer in der Automobilindustrie gearbeitet. Da ich mich technisch weiterbilden wollte, habe ich selbstständig recherchiert und bin so auf die Duale Akademie und die ausgeschriebene Stelle bei Zumtobel gestoßen.

 

Wie sieht deine Ausbildung als DA-Trainee in der Mechatronik im Detail aus?

Kerstin: Der Großteil findet praxisorientiert im Unternehmen statt. Die Theorie dazu lernen wir begleitend im Unterricht an der Berufsschule. Wir Mechatroniker besuchen dafür die Berufsschule in Bludenz, die Elektrotechniker die Berufsschule in Feldkirch. Im Rahmen der Dualen Akademie habe ich auch Kurse im WIFI und an der FH Dornbirn in verschiedenen Kompetenzen wie z. B. Business English. Neben der schulischen Ausbildung ist auch ein Praktikum im Ausland ein wichtiger Teil.

 

Im Rahmen einer Roadshow an Vorarlberger AHS hast du Schüler:innen über die Vorteile der DA informiert. Welche sind das aus deiner Sicht?

Kerstin: Eigene Berufsschulklassen mit Fokus auf fachspezifische Inhalte, ein Abschluss auf dem Niveau NQR 5, ein höheres Einstiegseinkommen – wir werden fürs Lernen bezahlt – und eine verkürzte Lehrzeit.

 

Heuer steht deine Lehrabschlussprüfung an, das Schulzeugnis habt ihr bereits erhalten. Machst du dir schon Gedanken darüber?

Kerstin: Ja, die LAP habe ich natürlich im Hinterkopf. Ich kann mich aber acht Wochen lang intensiv in der Lehrwerkstatt vorbereiten. Die Ausbildner unterstützen uns dabei und wir können dort echte Prüfungssituationen üben. Außerdem steht uns bereits ein Fragenkatalog für das Fachgespräch zur Verfügung, sodass wir jetzt schon mit dem Lernen beginnen können.

 

Was sind deine wichtigsten Erkenntnisse nach dieser Zeit?

Kerstin: Ich habe gelernt, dass es meistens mehrere Wege gibt, um ein Problem zu lösen. Außerdem habe ich ein gutes Verständnis für das Zusammenspiel von Mechanik, Elektronik, Sensorik und Steuerungstechnik entwickelt, all diese Bereiche müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein, damit ein System zuverlässig funktioniert.

 

Mit Mechatronik-Trainee-Kollegen Nico Augustin (Hilti) besuchte Kerstin AHS, um über die Duale Akademie zu informieren.

 

Stichwort Systeme: Mechatronik besteht aus Mechanik, Elektrotechnik und IT – für welche Spezialisierung hast du dich entschieden?

Kerstin: Ich habe mich für Automatisierungstechnik und Robotik entschieden, weil dieser Bereich sehr zukunftsorientiert ist. In der Industrie wird immer mehr automatisiert und dafür braucht es gut ausgebildete Fachkräfte.

 

Was war der bisher schönste Moment deiner Ausbildungszeit?

Kerstin: Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Moment, als ich mein erstes Werkstück an der Drehmaschine gefertigt habe. Außerdem war die erste funktionierende Schaltung, die ich verkabelt habe, ein Augenblick, der mich sehr stolz gemacht hat.

 

Welchen Tipp hast du für angehende Maturant:innen?

Kerstin: Konzentriert euch zuerst auf die Matura. Danach sollte man das studieren oder arbeiten, was einem wirklich Freude macht. Berufserfahrung sammeln ist wichtig und es ist nie zu spät, sich beruflich neu zu orientieren.